Bodentiefe Verglasungen in Innentüren

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    Ralph Matthis
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    Das Technische Kompetenzzentrum des Glaserhandwerks erreichte folgende Fragestellung:
    Ist für Türfüllungen im Innenbereich mittlerweile Sicherheitsglas Pflicht? Es handelt sich dabei um die typischen Verglasungen in Türrahmen mit Ornamentglas.

    Das Kompetenzzentrum antwortet darauf mit Quellen, Zitaten und Auslegungen.

    – In der DIN EN 14351-2 in der Ausgabe von Januar 2019 wurde der Begriff verglaste Tür mit Verletzungsrisiko beschrieben, als Tür, deren untere 1 500 mm zu mehr als 30 % aus Glas bestehen und bei denen mindestens eine der Glasscheiben größer ist als 0,2 m².
    Diese Begriffserläuterung und enthält keine Anforderung an die Verwendung eines bestimmten Glasprodukts. Immerhin kann man aus der Formulierung ableiten, dass bei solchen Türen eine Gefahr vorliegt. Generell gilt, dass anhand einer Gefährdungsbeurteilung über die Verwendung eines Glasprodukts (mit entsprechender Dimensionierung) entschieden werden kann.

    DIN 18008
    Die Bemessungs- und Konstruktionsregeln für Glas im Bauwesen werden grundsätzlich in der deutschen Anwendungsnorm DIN 18008 geregelt. Zu den Anforderungen an Glas für bodentiefe Verglasungen gibt es in der bisherigen Ausgabe der DIN 18008-1 von Dezember 2010 keine expliziten Aussagen. In der im Mai 2020 überarbeiteten Ausgabe gibt es im Kapitel 5 „Sicherheitskonzept“ eine Textpassage, in der Sicherheitsanforderungen an eben diese Verglasungen indirekt formuliert werden. Werden auf Grund gesetzlicher Forderungen zur Verkehrssicherheit Schutzmaßnahmen für Verglasungen erforderlich, kann dies beispielsweise durch Beschränkung der Zugänglichkeit (Abschrankung) oder Verwendung von Gläsern mit sicherem Bruchverhalten erfüllt werden. Dazu wird als beispielhafte Anmerkung auf § 37, Abs. (2) Musterbauordnung (MBO) bzw. die entsprechende Umsetzung im Landesrecht verwiesen.

    Glas mit sicherem Bruchverhalten
    Während der Überarbeitung der DIN 18008-1 wurden verschiedene Formulierungen diskutiert, die eine Verwendung von nicht sicher brechenden Gläsern (z. B. Ornamentglas) unterhalb der Brüstungshöhe, bzw. bei bodentief eingebauten Gläsern einschränken sollte. Die jetzige Formulierung fordert nunmehr die verantwortlichen Beteiligten auf (ausführende Handwerksbetriebe, Planer und Auftraggeber) über eine Gefährdungsbeurteilung selbst zu entscheiden, welches Glasprodukt eingesetzt werden muss. Für die Erfüllung der Schutzmaßnahmen müssen nicht ausschließlich Sicherheitsgläser (ESG, VSG, …) verwendet werden, mit der Verwendung von Gläsern mit sicherem Bruchverhalten (z. B. kleinformatige Gläser oder Gläser mit Splitterschutzfolie, …) können die Anforderungen erfüllt werden. Dabei wird in der DIN 18008-1 das sichere Bruchverhalten so erläutert, dass bei einem Bruch die Bruchstücke zusammengehalten werden und nicht zerfallen oder ein Zerfall in eine große Anzahl kleiner Bruchstücke erfolgt.

    MBO § 37
    In der Anforderung an Schutzmaßnahmen aus 5.1.4 wird auf § 37 der MBO verwiesen. Der Ruf nach Schutzmaßnahmen, wenn die Verkehrssicherheit es erfordert, ist durchaus eine logische Forderung, die für alles und für alle Lebenslagen zu gelten hat. Wie groß dabei größere Glasflächen sein müssen, ist nicht definiert und auch deshalb nicht entscheidend, weil in § 3 der MBO ohnehin grundsätzlich gefordert wird, dass insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen nicht gefährdet werden dürfen. Das ist eine grundlegende Anforderung, die alle baulichen Anlagen betrifft und über die MBO hinaus im BGB § 823 zur Schadensersatzpflicht auffordert.

    Fazit
    Die gesetzlichen Formulierungen sind logische Forderungen an die Verkehrssicherheit in unseren Lebensräumen, seien sie der privaten Art oder in öffentlichen Bereichen. Die Formulierung in der DIN 18008 fordert nichts Neues, sie ist lediglich auf das Wesentliche reduziert und auf diese Art und Weise auch eindeutig. Der Handwerksbetrieb, der immer auch eine Verantwortung mit übernimmt, muss mitentscheiden. So liegt es nahe Glas mit sicherem Bruchverhalten zu verwenden, wenn eine Gefährdungsbeurteilung dazu hinführt.
    Aus der Perspektive der Technischen Beratung empfehlen wir darauf hinzuweisen, dass der Einbau von Glas mit sicherem Bruchverhalten für zugängliche Verglasungen sinnvoll ist, egal ob allgemein oder privat zugänglich: Sicher ist man auf der sicheren Seite mit Sicherheitsglas.

    DIN 18008 und die baurechtliche Einführung
    Mittlerweile wurden die überarbeiteten Teile der DIN 18008-1 und DIN 18008-2 mit Datum Mai 2020 veröffentlicht. Diese aktuellen Dokumente wurden noch nicht in der MVV TB erwähnt und werden folglich nicht unmittelbar baurechtlich in den Bundesländern eingeführt. Sie stellen mit der Veröffentlichung den Stand der Technik dar, sind jedoch nicht zwingend anzuwenden. Folglich gelten ohne Vereinbarung die baurechtlich eingeführten Teile aus dem Jahr 2010. Die neuen Versionen von 2020 müssten vorab vertraglich vereinbart werden.

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